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Marketing-StrategieTechnologie

Aus dem Agenturvertrag aussteigen: Migration ohne Datenverlust

Domain, Hosting, Code, Inhalte: Wer bei einem Agenturwechsel nicht aufpasst, verliert alles. Der konkrete Fahrplan für eine Migration ohne SEO-Verlust und Ausfallzeit.

Stefan KühneStefan Kühne
24. April 20268 Min. Lesezeit

Sie wollen Ihre Webseite von der aktuellen Agentur zu einem neuen Partner migrieren. Dann stellen Sie fest: Die Domain läuft auf den Namen der Agentur. Die Zugangsdaten zum Hosting kennen Sie nicht. Den Quellcode Ihrer Webseite haben Sie nie erhalten. Die Inhalte, die Sie über Jahre eingepflegt haben, lassen sich nicht exportieren. Und im Vertrag steht keine Klausel zur Herausgabe. Was wie ein Albtraum klingt, ist für viele Unternehmen Realität.

Warum so viele Unternehmen in der Abhängigkeitsfalle sitzen

Das Problem ist strukturell, nicht bösartig. Die meisten Agenturen registrieren Domains auf ihren eigenen Account, weil es schneller geht. Sie hosten die Webseite auf ihrem eigenen Server, weil sie dort ihre Infrastruktur haben. Sie entwickeln mit proprietären Themes und Plugins, weil das ihr Geschäftsmodell ist. Im laufenden Betrieb fällt das nicht auf. Erst beim Wechsel wird die Abhängigkeit sichtbar. Nach Angaben der DENIC verwaltet Deutschland über 17 Millionen .de-Domains. Wie viele davon auf den Namen einer Agentur statt auf den Namen des Kunden registriert sind, ist nicht erfasst. In unserer Praxis sehen wir das Problem in etwa jedem zweiten Neukunden-Projekt.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind erheblich. Wer seine Domain nicht kontrolliert, kann im schlimmsten Fall seine gesamte Online-Präsenz verlieren. Wer keinen Zugang zum Hosting hat, kann keine Sicherheitsupdates einspielen. Wer den Quellcode nicht besitzt, muss bei einem Wechsel die gesamte Webseite neu bauen, statt sie zu migrieren. Und wer seine Inhalte nicht exportieren kann, verliert Jahre an redaktioneller Arbeit.

Der rechtliche Rahmen: Was Ihnen gehört und was nicht

Beginnen wir mit der guten Nachricht: Die Domain gehört in der Regel dem Unternehmen, das als Inhaber (auch 'Domain-Inhaber' oder früher 'Admin-C') bei der DENIC eingetragen ist. Prüfen Sie das über eine WHOIS-Abfrage auf denic.de. Steht dort Ihr Firmenname, haben Sie das Recht, einen Providerwechsel (KK-Antrag) einzuleiten, auch ohne Zustimmung der Agentur. Die DENIC stellt dafür ein standardisiertes Verfahren bereit. Steht dort der Name der Agentur, wird es komplizierter. In diesem Fall sollten Sie einen spezialisierten Anwalt einschalten, bevor Sie weitere Schritte unternehmen.

Beim Code sieht die Lage anders aus. Urheberrechtlich gehört der Quellcode dem Entwickler, sofern vertraglich nichts anderes vereinbart wurde. Viele Agenturverträge regeln die Nutzungsrechte am Code nicht explizit. Prüfen Sie Ihren Vertrag auf Klauseln zu Nutzungsrechten, Herausgabepflichten und Eigentumsübergang. Die von Ihnen erstellten Inhalte (Texte, Bilder, Produktbeschreibungen) gehören Ihnen als Urheber. Ein WordPress-XML-Export sichert diese Inhalte im Rohformat. Bilder und Medien müssen separat über das Dateisystem (wp-content/uploads) gesichert werden.

Der Migrations-Fahrplan in sechs Schritten

Eine saubere Migration folgt einer festen Reihenfolge. Wer Schritte überspringt oder die Reihenfolge ändert, riskiert Ausfallzeiten, SEO-Verluste oder Datenverlust. Dieser Fahrplan basiert auf dutzenden Migrationen, die wir in den letzten Jahren begleitet haben.

Schritt 1: Bestandsaufnahme und Zugangssicherung

Sichern Sie alle Zugangsdaten, die Sie haben: Domain-Registrar, Hosting-Panel, CMS-Backend, E-Mail-Konten, Google Search Console, Google Analytics, Social-Media-Accounts. Erstellen Sie eine vollständige Liste aller Assets. Wenn Sie keinen Zugang zum Hosting haben, fordern Sie diesen schriftlich bei Ihrer Agentur an. Dokumentieren Sie die Anfrage. Sichern Sie parallel ein vollständiges Backup Ihrer Webseite: Dateien und Datenbank. Wenn die Agentur kooperiert, bitten Sie um beides. Wenn nicht, nutzen Sie den CMS-internen Export als Minimum.

Schritt 2: Domain-Inhaberschaft prüfen und sichern

Führen Sie eine WHOIS-Abfrage durch. Wenn Sie als Inhaber eingetragen sind, können Sie den Providerwechsel selbst einleiten. Bestellen Sie den Auth-Code (Autorisierungscode) beim aktuellen Provider und übermitteln Sie ihn an den neuen Provider. Der technische Transfer dauert in der Regel wenige Stunden bis maximal fünf Tage. Wenn die Agentur als Inhaber eingetragen ist, haben Sie ein strukturelles Problem, das vor dem technischen Umzug gelöst werden muss. In der Praxis lassen sich die meisten Fälle durch einen sachlichen Dialog klären. Nur in seltenen Fällen ist eine rechtliche Eskalation nötig.

Schritt 3: E-Mail-Kontinuität sicherstellen

Ein häufig übersehener Punkt: Ihre E-Mail-Adressen (info@firma.de, name@firma.de) hängen an sogenannten MX-Records in den DNS-Einstellungen Ihrer Domain. Wenn Sie die Domain umziehen, müssen die MX-Records korrekt übernommen werden, sonst empfangen Sie keine E-Mails mehr. Prüfen Sie vor dem Umzug, wo Ihre E-Mails gehostet werden. Wenn das E-Mail-Hosting vom Webhosting getrennt ist (etwa bei Microsoft 365 oder Google Workspace), reicht es, die MX-Records im neuen DNS korrekt einzutragen. Wenn E-Mails auf demselben Server liegen wie die Webseite, müssen Sie das E-Mail-Hosting vorab zu einem separaten Anbieter migrieren.

Schritt 4: Content-Sicherung und Aufbereitung

Exportieren Sie alle Inhalte: Seiten, Blogartikel, Medien, Formulare, Kontaktdaten. Bei WordPress steht dafür der XML-Export unter 'Werkzeuge' zur Verfügung. Beachten Sie: Der XML-Export enthält nur Texte und Metadaten, keine Bilder. Bilder müssen separat aus dem Verzeichnis wp-content/uploads heruntergeladen werden. Proprietäre Themes und Plugins lassen sich in der Regel nicht mitnehmen. Wenn Ihre Agentur ein eigenes Theme entwickelt hat, gehört der Code urheberrechtlich der Agentur, sofern der Vertrag nichts anderes regelt. Planen Sie in diesem Fall den Aufbau einer neuen Webseite ein, statt die alte zu migrieren. Das ist oft ohnehin die bessere Lösung, weil Sie dabei auf einen modernen, zukunftssicheren Stack wechseln können.

Schritt 5: SEO-Kontinuität sicherstellen

Ein schlecht durchgeführter Umzug kann Monate an organischen Rankings kosten. Laut Google-Dokumentation dauert es zwischen vier und sechs Monaten, bis eine vollständige URL-Migration in den Suchergebnissen reflektiert ist. In dieser Zeit ist die korrekte Weiterleitung aller alten URLs auf die neuen per 301-Redirect der wichtigste einzelne Faktor. Erstellen Sie vor dem Umzug eine vollständige URL-Liste Ihrer bestehenden Webseite. Tools wie Screaming Frog oder ein einfacher Sitemap-Export liefern diese Liste. Jede alte URL muss auf die exakte neue Entsprechung weitergeleitet werden. Pauschal alles auf die Startseite umzuleiten, ist der häufigste Fehler und führt zu massiven Ranking-Verlusten.

  • 301-Redirects für alle bestehenden URLs auf die neuen Entsprechungen einrichten
  • Google Search Console: Inhaberschaft auf das eigene Google-Konto übertragen, nicht auf das der Agentur belassen
  • Neue Sitemap.xml einreichen und alte in der Search Console entfernen
  • Canonical Tags auf allen neuen Seiten prüfen
  • Strukturierte Daten (Schema.org) auf den neuen Seiten sicherstellen
  • Google Business Profile (falls vorhanden) mit der neuen Webseite verknüpfen

Schritt 6: DNS-Umschaltung und Go-Live

Erst wenn die neue Webseite vollständig steht, alle Redirects konfiguriert sind und die E-Mail-Einstellungen geprüft wurden, ändern Sie die DNS-Einträge. Setzen Sie die TTL (Time to Live) Ihrer DNS-Records vorab auf einen niedrigen Wert (300 Sekunden), damit die Umschaltung schnell propagiert. Ändern Sie dann den A-Record (oder CNAME) auf den neuen Server. Die Propagierung dauert je nach Provider zwischen wenigen Minuten und 48 Stunden, in der Praxis sind es meistens unter zwei Stunden. Behalten Sie die alte Webseite für mindestens 30 Tage parallel erreichbar, damit Redirects sauber greifen und Sie bei Problemen schnell zurückschalten können.

Ihr Fahrplan zur digitalen Souveränität: 6 Schritte für eine reibungslose Migration.

Was eine Migration über Ihre nächste Agentur verrät

Die Frage, wie ein neuer Partner mit dem Thema Eigentum umgeht, ist der beste Lackmustest für die Zusammenarbeit. Fragen Sie vor Vertragsschluss: Auf wessen Namen wird die Domain registriert? Wer hat Zugang zum Hosting? Erhalten wir den Quellcode? Können wir unsere Inhalte jederzeit exportieren? Was passiert mit unseren Daten, wenn wir den Vertrag beenden? Jede saubere Antwort auf diese Fragen reduziert Ihr Risiko für den nächsten Wechsel auf null. Wir arbeiten nach dem Prinzip 'Ihr Business gehört Ihnen'. Konkret bedeutet das: Domain und Hosting laufen auf Ihren Namen. Den Quellcode erhalten Sie vollständig. Alle Inhalte gehören Ihnen und sind jederzeit exportierbar. Wenn Sie uns morgen kündigen, nehmen Sie alles mit. Das ist kein Goodwill, sondern unser Geschäftsmodell.

Checkliste: Die fünf Assets, die Ihnen gehören müssen

Bevor Sie einen neuen Vertrag unterschreiben oder den bestehenden kündigen, prüfen Sie den Status dieser fünf zentralen Assets. Jedes davon muss eindeutig Ihrem Unternehmen zugeordnet sein.

Asset-Checkliste für den Agenturwechsel
AssetPrüffrageRisiko bei Fremdbesitz
DomainSteht Ihr Firmenname im WHOIS?Totalverlust der Online-Adresse
Hosting-ZugangHaben Sie eigene Login-Daten?Kein Backup, keine Updates, keine Kontrolle
QuellcodeIst die Herausgabe vertraglich geregelt?Kompletter Neubau statt Migration
Inhalte / MedienKönnen Sie alles exportieren?Verlust redaktioneller Arbeit über Jahre
Analytics / Search ConsoleLaufen die Konten auf Ihr Google-Konto?Kein Zugriff auf historische Daten

Quelle: SK Online Marketing, Praxiserfahrung aus Migrations-Projekten

Diese Prüfung dauert 30 Minuten und kann Ihnen im Ernstfall Monate an Wiederaufbau ersparen. Besonders die Google Search Console verdient Aufmerksamkeit: Historische Performance-Daten, indexierte Seiten und die Abdeckungsberichte sind nach einem Inhaberwechsel verloren, wenn das Konto nicht rechtzeitig übertragen wird.

Die Migration als strategische Chance

Ein Agenturwechsel fühlt sich zunächst nach Risiko an. In der Praxis ist er oft der Anlass für längst überfällige Verbesserungen. Unternehmen, die eine Migration durchlaufen, können dabei gleichzeitig ihre digitale Barrierefreiheit nach BFSG nachholen, ihren Tech-Stack modernisieren und ihre Content-Strategie neu aufsetzen. Die Kosten einer Migration amortisieren sich in der Regel innerhalb von sechs bis zwölf Monaten, wenn der neue Setup günstiger, sicherer oder leistungsfähiger ist als der alte. Entscheidend ist, dass die Migration strukturiert abläuft und kein Asset verloren geht.

Fazit

Der Wechsel von einer Agentur zu einem neuen Partner ist kein technisches Hexenwerk, sondern ein Projekt mit klarem Fahrplan. Die größten Risiken liegen nicht in der Technik, sondern in der Vorbereitung: Wer seine Assets nicht kennt, kann sie nicht sichern. Wer seine Verträge nicht prüft, wird von Eigentumslücken überrascht. Und wer die SEO-Kontinuität ignoriert, zahlt mit Ranking-Verlusten. Der hier beschriebene Fahrplan reduziert diese Risiken auf ein beherrschbares Minimum. Sollten Sie aktuell vor einem Agenturwechsel stehen und Unterstützung bei der Migration benötigen, sprechen Sie uns an. Wir begleiten den Übergang operativ und stellen sicher, dass nichts verloren geht.

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